Als ich heute bei meinem morgendlichen Spaziergang von einem schmalen Seitenweg auf den breiten Hauptweg komme, um weiter aufwärts Richtung Gipfel zu gehen, sehe ich von unten ein Quad der Wurmberg-Seilbahn kommen. Ein wenig schneller als ich, weshalb ich mich umdrehe, um zu schauen, wohin ich am besten ausweichen kann. Das Quad fährt auf den linken Seitenrand, wo ich mich auch befinde. „Klar“, denke ich, „der biegt gleich links ab zur Mittelstation“ und gehe in die Mitte des Weges.
Gleichzeitig fährt der Fahrer auch in die Mitte und ist mir nun dicht auf den Fersen. Ich erschrecke und springe an den rechten Rand, um sowohl den Weg zum links abbiegen, als auch geradeausfahren frei zu machen. Der Quad-Fahrer hinterher. Ich springe nach links und sehe jetzt auch die Bodenwelle, der er ausweichen musste.
Mittlerweile Auge in Auge lachen wir beide über unser Tänzchen, grüßen freundlich und jeder geht weiter seines Weges.
An die „Geschichte mit dem Hammer“ von Paul Watzlawick musste ich dabei denken und wie oft wir meinen zu ahnen, was in dem Anderen gerade vorgeht, unser Verhalten anpassen und dabei die Gegebenheiten völlig aus den Augen verlieren. Und ganz schnell wird aus der Gedankenspirale ein Gefühlskarussell.
ToM (Theory of Mind) nennt man dieses Phänomen in der Fachsprache. Wie Du es für Dich nutzen und die negativen Auswirkungen begrenzen lernst, ist Inhalt des Online Kurses „Mut zum Nein-sagen“, der am Donnerstag, den 29.09.22 beginnt.
Mehr Infos findet ihr unter http://www.sonja-anglett.de/events/event/mut-zum-nein-sagen-3/.
Gerne nehme ich Dich mit auf meine Spaziergänge. Nature Coaching ist das Stichwort und aktuelle Angebote dazu findest Du hier: http://www.sonja-anglett.de/ Wenige Resttermine sind noch möglich.
Der letzte Termin für die Sinnspaziergänge in diesem Jahr ist der 01.10.2022. Gerne nehme ich Dich mit auf dem Weg zu Dir selbst bei einem Gruppenspaziergang auf dem Harzer Mythenweg. Die Gebühr dafür beträgt € 29,00.
Liebe Grüße,
Sonja
Kategorie: Kolumne
Frieden beginnt im Inneren
In Zeiten äußerer Bedrohung und der Angst vor einem neuen Krieg in Europa fühlen sich viele Menschen hilflos und ausgeliefert.
Was kann jeder Einzelne, was kann ich tun?
Mein Beitrag zum Weltfrieden ist ein geringer und doch ausschlaggebend für einen Frieden, der Kreise zieht. Kreise in mir, in meiner Familie, in meinen Beziehungen, in meinem Ort und immer weitere Kreise.
Frieden fängt immer mit dem inneren Frieden an.
Bin ich zufrieden mit mir? Bin ich dankbar für das, was ich habe? Kann ich erwartungfrei auf meine Lieben schauen? Bin ich bewertungsfrei in Bezug auf meine Eltern, Freunde?
Angst und Neid führen zu Wut, Aggression und Streit. Dahinter steht das Bedürfnis nach Anerkennung und Macht.
Was kann ich als Einzelne zur Deeskalation beitragen?
Ich kann die Verantwortung für mein Leben ganz und gar übernehmen.
Dann verlange ich nicht vom Partner, dass er mich glücklich macht und von den Kindern, dass sie meine ungelebten Träume erfüllen.
Ich kenne meine Bedürfnisse und Sehnsüchte und sorge gut für mich. Ich bin Gestalter meines Lebens, freue mich über das, was ich habe und gehe Schritt für Schritt auf das zu, was ich mir wirklich wünsche.
Ich respektiere die Grenzen des Anderen, weil ich selber Grenzen setzen kann. Ich lebe meine Werte und respektiere die Werte des Nächsten, auch wenn ich sie nicht immer verstehen kann.
Ich kann bei mir bleiben, weil ich mich mag. Und den Anderen lassen, weil ich ihn achte.
Das Seminarprogramm 2020 steht!
Termine 2020:
Einzelheiten zu den Vorträgen und Seminaren, Kosten und Ort findet ihr direkt unter „Seminare“. Ich schicke Euch das Programm auch gerne per Mail. Bitte schreibt mir dazu unter dem Betreff „Seminarprogramm 2020“ an beratung@sonja-anglett.de.
“Mögest Du freundlich mit Dir sein – Achtsamkeit und Selbstmitgefühl“, Vortrag beim Frauenkreis, Bad Sachsa, Lutherhaus, Kirchstr.24 15.01.2020 19 Uhr
„Bin ich, wer ich sein will?“ Tagesseminar, Braunlage Sa, 22.02.20 10.00 – 17.00 Uhr
Biographiearbeit – Fortsetzung des Seminares „Bin ich, wer ich sein will?“ für die, die tiefer in die Arbeit mit Kindheit und ihrer Biografie einsteigen wollen, um sich selber und seinen Stärken auf die Spur zu kommen. So, 23.02.20 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
„Selbstmitgefühl entwickeln“, Tagesseminar So, 08.03 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
„Wie frei ist unser Wille wirklich? Was Frankl von Freud unterschied und die Bedeutung des freien Willens für unser Leben.“
Vortrag Lebensschule Kloster Walkenried, Herderstr. 6, Bad Sachsa Do. 14.05.20 19.30 Uhr
„Binde deinen Karren an einen Stern! Sieben Schritte zum Sinn“
Tagesseminar, Braunlage Sa. 06.06.20 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Wochenendseminar – Kraftquellen in uns und aus der Natur
Braunlage Fr. 19.06.20 19.00 Uhr – So, 21.06.20 15.00 Uhr
„Die Kraft aus dem Selbst“ Persönlichkeitsentwicklung mit Hilfe der PSI-Theorie,
Vortrag Frauenkreis, Herderstr. 6, Bad Sachsa Mi, 09.09.20 19.00 Uhr
„Mut tut gut“, Tagesseminar Braunlage Sa. 19.09.20 10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Dream on
Heute mal wieder dieses Lied im Radio gehört… „One day, Baby, we are old and think of all the stories that we could have told”.
Und gerade im Moment bin ich auch häufig in einem Traum gefangen. Ein Traum, der sicherlich wichtig ist und mir meine Sehnsüchte deutlich macht.
Aber vielleicht hindert er mich auch daran, dass Leben, an dem ich vorbei laufe, zu sehen.
Vielleicht könnten die Momente und Gelegenheiten, die mir entgehen, ein Traum sein.
Vielleicht könnte ich einmal eine Geschichte erzählen.
Eine Geschichte, die mit dem Zitat von Josephine Baker anfängt:
„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen.“
Der Angst ins Auge gesehen
Laufen im Wald ist befreiend, laufen im Wald macht stark, laufen im Wald gibt Sauerstoff, Laufen im Wald verbrennt Kalorien, Laufen im Wald macht die Unendlichkeit bewusst, Laufen im Wald macht den Kopf frei, Laufen im Wald stärkt die Kondition, Laufen im Wald zeigt die Schönheit und Wandelbarkeit der Natur …
Laufen im Wald macht manchmal Angst.
Man läuft so vor sich hin, Waldweg im Grünen, links und rechts vom Gebüsch begrenzt, weit weg von zu Hause, weit weg von Zivilisation und genießt die Einsamkeit, freut sich, dass sich nicht viele hier „verlaufen“. Und plötzlich …
Ein Geruch, ein Geräusch… Irgendwas ist anders. Und dann fallen einem alle Dinge ein, die man jemals gelesen hat… Joggerin im Wald vergewaltigt und ermordet… Von Spaziergang nie zurück gekehrt… (Der Angst ins Auge gesehen vor ein paar Jahren als morgens um 6 Uhr auf der Bank vor der idyllisch gelegenen Schutzhütte ein Mann liegt, unregelmäßig abrasierte Haare, ein Rucksack – zu groß für eine Tageswanderung, zu klein für Trekking… Ein Entlaufener? Aber das ist eine andere Geschichte.)
Oder auch eine kurze ins Hirn gebrannte Sequenz aus einem spannenden Roman von Elisabeth Herrmann. („Das Dorf der Mörder“) Als die Wildschweine sich genüsslich über den wehrlosen Menschen her machen…
Zugegeben: Meine größte Angst im Wald ist es, einem Wildschwein zu begegnen.
Meine Lieblingsstrecke ist wunderschön. Schmale steinige Wege an einem kleinen glucksenden Bach entlang. Mitten im Wald, halbhoch am Berg, selten durchbrochen von lichten Wiesen. Etwa die Hälfte des 10-km-langen Weges führt leicht bergauf, die zweite Hälfte auf breiterem Weg dnn wieder ins Tal. Auf dieser zweiten Hälfte kann man auch mal joggen.
Rotzelnd und bauchgluckernd (vor dem Frühstück!) joggte ich nun fröhlich und in Gedanken versunken meinen Weg dahin.
Plötzlich ein Grunzen, dass mich fragen lässt, ob das nun Nase oder Magen war… und vor mir, rechts des Weges ein Wildschwein!
Oh Schreck! Abgesehen von den irritierend lebendigen Erinnerungen an „Das Dorf der Mörder“ rattert in meinem Kopf auch ein umfassendes Internet-Lexikon ab…
Dann wird dem Eindringling erst einmal heftigst gedroht. Diese akustischen Drohgebärde, welche wie ein Schnauben klingt, nennt man auch blasen. Sollte der Störenfried diese Warnung nicht verstehen, kann in der Tat eine „Wildschweinattacke“ bevorstehen. Bei einem ausgewachsenen Keiler kann dies auf Grund seiner großen Waffen und Hauer zu schweren Schnittverletzungen führen, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können!
(http://www.wildschweine.net/05gefahren1.htm)
Das war es! Was ich gehört habe, war kein Grunzen und kein Knurren, es war eine akustische Drohgebärde!
Die unteren Eckzähne des Männchens können in Ausnahmefällen eine Länge von bis zu 30 cm erreichen. Bei normalen ausgewachsenen Männchen haben sie in der Regel eine Länge von 20 cm, von denen aber selten mehr als 10 cm aus dem Kiefer ragen. Die beim Männchen nach oben gekrümmten Eckzähne des Oberkiefers sind wesentlich kürzer.
(www.wikipedia.de)
Oh ja!
Gewicht Wildschweine: Männliche Wildschweine nennt man Keiler, weibliche Bachen und die Wildschweinkinder Frischlinge. Keiler sind meist größer und kräftiger als Bachen. Ein Keiler kann bis zu 200 kg, in Ausnahmefällen auch mal 300 kg, schwer werden. Eine ausgewachsene Bache wiegt um die 150 kg. Wildschweine sind damit die schwersten mir bekannten Tiere in Deutschland (von vereinzelten vorkommenden Elchen, Braunbären und Meeressäugern abgesehen). Ein angreifendes Wildschwein kann auch für Menschen gefährlich sein.
Ach du scheiße!
Größe Wildschweine: Keiler sind etwa 150 bis 180 lang (Hinterbeine bis Kopf), Bachen im Durchschnitt um 15 cm kürzer. Die Schulterhöhe beträgt selten über einen Meter, typischerweise sind es um die 80 cm.
(www.heimische-tiere.de)
Und nun?
Noch ein Schnauben und das Wildschwein dreht sich weg und läuft ein paar Meter in die Wiese hinein. Und was mache ich? Instinktiv gehe ich langsam weiter. Ehrlich gesagt sieht so ein Tier auch deutlich eleganter aus beim Joggen als ich… Noch ein weiterer Blick und eine Drehnung in meine Richtung und ich bin wohl für ungefährlich befunden worden. Langsam gehe ich meinen Weg, nicht ohne links und rechts in den Wald zu schauen, was da wohl noch so lauert.
Nun hatte ich es hinter mir. Die erste Begegnung mit einem Wildschein. Die Erfüllung meiner größten Angst im Wald. Und war es schlimm? NEIN!
Wie schon so oft festgestellt: Die meisten Ängste sind grob überschätzt.
Morgen gehe ich trotzdem eine Stunde später los.
Einen Punkt setzen II
Ganz spontan fällt mir zu diesem Thema Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie ein, der gesagt hat: „Man muss sich nicht alles von sich selbst gefallen lassen“.
Ganz oft sind wir Getriebene und lassen uns unser Verhalten von Ängsten und Mustern diktieren.
Manfred, ein Freund von mir erzählte davon, wie er durch einen See schwamm. Alle Jahre wieder durchquerte er diesen See. Eine schöne Aufgabe, fast schon Routine. Und eines Tages war er mitten auf dem See, schaute nach vorne, schaute zurück und dachte daran, was denn jetzt wohl wäre, wenn er einen Krampf bekäme. Und schon fing das Herz an zu klopfen, die Atmung wurde schneller,die Wade krampfte, die Panikattacke nahte. Keine Luft, zielloses Strampeln. Das schaffe ich nie … ich werde jetzt untergehen.
Er ist Logotherapeut und kannte den Satz von Frankl und welche bessere Gelegenheit hätte es gegeben, als ihn auszuprobieren. „Nein, Manfred“, sagte er laut. „DAS lasse ich mir jetzt nicht von Dir gefallen“ …
Es ist schwierig, sich selbst, einen Punkt zu setzen. Sich zur Ordnung zu rufen, wenn es notwendig ist oder sich zu bremsen. Aber es lohnt sich, daran zu üben. Auch wenn an der Beherrschung des eigenen Geistes mal nicht das Leben hängt.
Natürlich hatte Manfred es geschafft, sich zu beruhigen und ist am anderen Ufer angekommen. Und sofort wieder zurück geschwommen. Training hilft.
Einen Punkt setzen
Es ist einfach für mich, Dinge auf den Punkt zu bringen. Und eigentlich fällt es mir sehr leicht, Sätze aneinander zu reihen und ein neues Kapitel in meinem Leben anzufangen.
Und ganz selbstverständlich scheinen da Punkte zu sein, die die Gedanken voneinander trennen, die Sätze und die Kapitel des Lebens. Aber in der Rückschau sehe ich nach meinen Sätzen ganz viel „Punkt, Punkt, Punkt“.
Man sagt, man sollte eine Tür nie ganz zuschlagen … Und es scheint mir, als hätte ich in diesem Zusammenhang ganz viele offene Türen und Fenster aus Kapiteln, die nicht mit einem Punkt beendet wurden, sondern in der Offenheit des unbeendeten Satzes.
Und wenn ich mir in diesem Spiegel meine Seele anschaue, ist sie tatsächlich immer offen und gut durchlüftet. Keine Spur von verstaubten Gedanken und Schimmel in den Ecken. Aber alles und jeder kann hinein und hinaus spazieren, wie er mag. Und nicht umsonst fällt mir gerade der Moment ein, als mich morgens auf meinem Küchentisch ein Waschbär begrüßte, der von meinem Obstteller naschte. Die Tür war nur angelehnt …
Türen und Gedanken offen halten bringt Frische und Bewegung, hilft empathisch zu sein und differenziert zu denken. Einen Punkt zu setzen und Dinge abzuschließen schützt vor Eindringlingen und Energieräubern, vor Durchzug und Unruhe.
Ich wünsche mir und Euch, immer zu wissen, wann der Satz zu Ende und ein Punkt zu setzen ist!
